Samstag, 23. Juli 2016

Problempferde gibt es nicht!

Problempferde, sie sind überall. Es gibt Verkaufsgruppen eigens für diese Spezialfälle, Demotage, TV-Formate und und und. Und jetzt kommt so eine Ponyhof-Rotzgöre daher und behauptet: Problempferde gibt es nicht, denn die Pferde sind nicht das Problem.


Der Begriff „Problempferd“ ist, wenn nicht komplett falsch, immerhin mehr als missverständlich.
Es gibt Pferde, die ihren Besitzern Probleme machen.
Es gibt Menschen, mit pferdigen Problemen.
Die Pferde haben dabei nur ein Problem – den Menschen.
Denn alle Fälle haben eins gemeinsam. Ohne den Menschen gäbe es gar keine Probleme.


Menschen mit Problemen

In den meisten Fällen ist der Mensch die Wurzel des Übels. Es gibt viele Wege, sich ein „Problempferd“ zu machen. Das Häufigste ist mangelnder Pferdeverstand.  Ausgelöst durch Menschen, die ihr Pferd schlicht nicht verstehen. Ein Kommunikationsproblem, welches leider schnell ausarten kann. Denn ein unverstandenes Pferd kann zu einer recht deutlichen Sprache greifen.

Dabei tut das Pferd in erster Linie das, was der Mensch ihm signalisiert. Nur ist dies nicht immer das, was der Mensch will. Wir neigen häufig dazu, uns ziemlich missverständlich oder ungenau auszudrücken. 
Die Lösung ist eigentlich recht simpel. Die Kommunikation verfeinern, aufmerksamer werden, beobachten. Schnell zeigt sich, dass das Pferd gar kein blöder Gaul ist, der einen nur ärgern will sondern, dass einfach aneinander vorbei kommuniziert wurde. Häufig sind heftige Reaktionen des Pferdes die Konsequenz aus unbemerkten sanften Anfragen, die immer lauter werden. Eine Art letzter Ausweg, weil der doofe Mensch einfach nicht zuhört. Der Mensch allerdings übersieht die anfänglichen Signale und fällt aus allen Wolken, wenn das Pferd ihn plötzlich lauthals anbrüllt. Besonders heikel wird es, wenn solche „schwer-von-Begriff-„Menschen an ein besonders verständnisbedürftiges Pferd geraten.
Manchmal ist die Widerspenstigkeit des Pferdes auch ein Warnsignal für gesundheitliche Beschwerden. Diese sollten also gleich zu Beginn ausgeschlossen werden.

Das Pferd ist dein Spiegel.
So simpel diese Worte klingen, so viel Wahres steckt in ihnen.

Es sollte also nicht das „Problempferd“ in der „Verkaufsgruppe für Problempferde“ landen, sondern der Besitzer in der „Sonderschule für Pferdemenschen“, ansonsten ist das nächste „Problempferd“ vorprogrammiert.


Pferde, die zum Problem gemacht werden

Die meisten „Problempferde“ sind schon durch viele Hände gegangen. Jede Hand hinterliess ihre Spuren und da sie offensichtlich nicht erfolgreich war, wurden die Probleme nur mehr.

Da der nächste an der Reihe selten weiss, was die anderen Hände schon angerichtet haben, kann der schnell ein echtes Problem haben. Denn selbst wenn er aufmerksam kommuniziert, kennt er die Ursachen für das pferdige Verhalten nicht immer. Und wieder liegt es nicht am Pferd, dass es so „problematisch“ reagiert, sondern an den Erfahrungen, die es mit den Menschen und ihren Methoden machen musste.

„Setz dich durch! Der verarscht dich nur!“

Ein Pferd hat weitaus Wichtigeres zu tun, als sich die liebe lange Zeit zu überlegen, womit es dem Menschen schon wieder den Tag schwer machen könnte. Eine wunderschöne Eigenschaft von Pferden ist, dass sie uns gefallen wollen und nach Harmonie streben. Wir Menschen haben allerdings viele Methoden, mit denen wir unseren Pferden das Leben schwer machen. Häufig, weil sie dem individuellen Wesen Pferd und seiner Natur keine Rücksicht tragen. Pferde reagieren ihrer Natur entsprechend, ohne fünfmal ums Ecke zu denken. Die Erfahrungen, die sie mit uns machen, hinterlassen ihre Spuren aber auch im Verhalten. Und das sorgt bei uns Menschen dann schnell für viele Fragezeichen. Wieso droht das Pferd beim Putzen? Wieso lässt es sich nicht anfassen? Die Wurzel des Übels geht wieder auf den Menschen zurück. Ohne ihn hätte das Pferd gar kein Problem.

 Wir sollten uns also zuerst immer fragen, was wir falsch gemacht haben. Waren wir aufmerksam genug? Haben wir vielleicht ein Signal übersehen? Rührt das Verhalten von negativen Erfahrungen?
Auf keinen Fall sollten wir das Verhalten unseres Pferdes als böse Absicht werten. Sprüche, wie „der will dich nur verarschen“ kommen schnell über die Lippen. Fair sind sie nicht und sie verleiten zu einem fragwürdigen Umgang, der allenfalls auf Durchsetzungskraft und Macht basiert, nicht aber auf Verständnis und Rücksichtnahme.

Genauso wie die Titulierung „Problempferd“. Sie zeugt von einem falschen Verständnis der Situation. Denn was bezeichnen wir denn da als „Problempferd“?

Ein Problempferd ist ein Pferd, welches in seinem Verhalten nicht den Erwartungen des Menschen entspricht.

Wir erwarten ganz schön viel von unseren Pferden. Dies beginnt schon bei der Haltung. Der natürliche Lebensraum unserer Tiere sähe ganz anders aus, als das bei den meisten Ställen der Fall ist. Wir setzen unsere Pferde Situationen aus, denen ein Fluchttier sich eigentlich nicht gegenüber sieht. Das alles tun wir mit einer bestimmten Erwartung. Die meisten Probleme entstehen ganz einfach dadurch, dass sich ein Pferd entsprechend seiner Natur verhält, was uns in diesem Moment aber so gar nicht zupasskommt. 


Um das Problem nachhaltig aus der Welt schaffen zu können, müssen wir unsere Erwartungen überdenken und die Situation neu beurteilen. Wir müssen dem Pferd die Möglichkeit geben, alles richtig zu machen und versuchen die Ursache seines Verhaltens zu verstehen, anstatt die Symptome zu bekämpfen. 

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