Dienstag, 24. Oktober 2017

Von Arschloch-Pferden und ihren Menschen

Für Amina, die manchmal leise „Arschloch“ flüstert. 

Achtung - FSK 18: Hier werden gleich wiederholt böse Pfui-Worte verwendet werden. Folgender Artikel ist somit nicht jugendtauglich. Die verwendeten Kraftausdrücke sind weder auf englisch noch krass genug um damit im Ghetto anzugeben.

Ich habe in letzter Zeit in anderen Gruppen und auch im echten Leben die Ohren etwas gespitzt, wenn Menschen über ihre Pferde sprachen - besonders bei dominanten, zickigen und arschigen Pferden. Es dauerte nicht lange und ich wurde fündig: ein Arschlochpferd!

Dabei gibt es zwei Kategorien von „Arschlochpferden“.

Die liebevollen „Arschis“. Arschis sind in der Regel kleine süsse, Ponys, die normalerweise von ihrem Besitzer mit Wattebäuschen beworfen werden. Wenn das Pö auf der Flucht vor einem Wuschelklopps der Besitzerin auf ihre pinken Fluffe-Latschen steht, dann wird es meist als „Arsch“ bezeichnet. Sie sind das Pendant zum Arsch-Ehemann, der einem Pralinen mitbringt, obwohl man auf Diät ist und in der Regel absolut harmlos.

Und dann gibt es die richtigen „Arschlochpferde“.

Das sind besonders fiese, hinterlistige, böse, Pferde, die ihrem Besitzer das Leben zur Hölle machen und auch noch Spass daran haben.
Sie sind komischerweise meist Stuten, immer dominant, finden den Menschen total scheisse und erdreisten sich, das mehr als deutlich zur Schau zu stellen.
Die beissen, treten, zicken und bocken und das alles mit dem einzigen Ziel, dem Menschen das Leben schwer zu machen. 
Das sind richtig miese Charaktere.
Die einzige Chance mit so einem Arschlochpferd zu überleben, ist, ihm immer wieder zu zeigen, wo es langgeht. So einem Arsch muss man von Anfang an deutlich gegenübertreten, damit er gleich weiss „hier gibt es nix zu lachen“.

Wenn man die Schilderungen mancher Arschlochpferd-Besitzer liest, kann man sich sehr gut vorstellen, dass das Ponyhofleben so absolut keinen Spass macht. Und ich kann auch die Entscheidungen einiger Ex-Arschlochpferd-Besitzer verstehen, sich von dem Tier zu trennen. Das wird wahrscheinlich besser für das Pferd sein.
Lese oder höre ich, wie manche Menschen über ihr dummes Vieh berichten, dass alles tut um sich vor der Arbeit zu drücken, nur zum Spass bockt, einen verarscht und sogar schnappt, wenn man es mit der Peitsche klopft, dann habe ich ein ungefähres Bild davon, wie die gemeinsame Zeit abläuft und wie sich beide Parteien fühlen. Allein die Art, wie über das "Seelenpferd" gesprochen wird, würde mich als Pferd dazu veranlassen, mich auf meinen Besitzer zu setzen. Die ganze Attitude des Zweibeiners brüllt dem Pferd „Arsch“ entgegen und das Pferd brüllt zurück.

All diese "Gemeinheiten" des bösen Endgegners Pony werden einen Auslöser haben und der hat für gewöhnlich zwei Beine. 
Wenn jemand schon mit einer "Arsch"- Haltung auf der Matte steht, wie könnte man ihm etwas anderes als genau die entgegenbringen.

Tja, aber was soll man denn tun, wenn der scheiss Gaul keinen Bock hat?
Ja, was oder wer ist wohl der Grund für diese Haltung? ;)
Wie wollen Mensch und Tier denn Spass am Zusammensein entwickeln, wenn das so negativ stattfindet? Bekomme ich mein Arschlochpferd motiviert, wenn ich im beim kleinsten Anzeichen die Gerte um die Ohren sausen lasse?
Mache ich vielleicht doch etwas falsch, wenn der Gaul zum 100x „testet“ ob er sich vorbei drängeln kann, obwohl das niemals zugelassen wurde? Da gibt es nämlich nur zwei Möglichkeiten: es wurde zugelassen, sonst würde das Pferd recht bald verstehen, dass es nicht geht oder es wird bewusst oder unbewusst provoziert. Wenn ich eine Türe konsequent nicht aufmache, wird das Pferd sehr schnell nicht mehr danach fragen.

Wie wurde das Pferd denn zum Arschloch? 
Nun gibt es zwei Unterkategorien von Arschlochpferden. Die Jungpferde und die Vorbelasteten.
Jungpferde formen und erziehen wir selbst. Wir geben den Rahmen vor. Je nach Charakter des Pferdes und des Besitzers ist dies mehr oder weniger einfach. Aber auch hier ist kein Pferd zum Arschloch geboren. Auch ein selbstbewusster Charakter wird eine harmonische, klare Beziehung einem ständigen Machtkampf vorziehen, das liegt zu unserem Glück in der Natur der Pferde. 
Bevorzugt es ein Pferd, die Arbeit mit dem Menschen auf alle Arten zu verweigern und sich zu entziehen, wo nur ein Schlupfloch bleibt, wurde ihm wahrscheinlich die Arbeit mit dem Menschen nie schmackhaft gemacht.
Entwickelt sich ein Jungpferd zum Arschlochpferd, liegt das zu 99% an Unsicherheit oder Inkonsequenz des Besitzers und ist kein Kompliment an die Qualitäten als Ausbilder. 

Und dann gibt es die Vorbelasteten. Die schon Arschlochpferde waren bzw. die durch einen anderen Zweibeiner dazu gemacht wurden.
Diese Pferde landen nicht ungern bei Menschen, die ihren schlechten Eindruck von den Menschen nochmal untermauern. Die zeigen denen dann, wer der Boss ist und wen es besser zu meiden gilt. Damit das Pferd auch ganz sicher weiss, mit dem Menschen hast du keinen Spass. Und das „Schöne“ daran ist, dass der Mensch seine Vorurteile genau so bestätigt sieht wie das Pferd. Ist eben doch alles scheisse.
Manche dieser Pferde landen aber auch bei Menschen, die alles daran setzen, dem Pferd zu zeigen, dass es anders gehen kann. Dass beide Seiten es friedlich und schön haben können und das auch noch viel stressfreier ist. Diese Menschen reden nicht von „Arschlochpferden“, von miesen Charakterschweinen und dominanten „die wollen wissen wer der Chef ist“ Monstern und komischerweise verschwindet die Arschloch-Haltung der Arschlochpferde bei solchen Menschen sehr schnell. Wie kommt´s?

Pennys Blick, wenn sie "Arschloch" denkt.
Ich will an dieser Stelle nicht abstreiten, Penny auch schon kreativ tituliert zu haben. Sie mich auch, ich sehe das an ihren Blicken. Aber auf jede Verwünschung kommen 5x „bestes Pony der Welt“. Es gab auch schon Momente, an denen ich Penny gerne an die Laterne gebunden hätte um mich dabei zu amüsieren, wie ein armer Kerl versucht, den Fruchtzwerg von dort wegzubekommen. Ich habe mich schon wie Rumpelstilzchen über mein Pony geärgert aber noch viel mehr über mich selbst. Weil ich zu blöd war, dem Pö zu erklären, was ich von ihr will. Weil ich zu langsam reagiert, zu wenig gesehen habe. Weil ich inkonsequent war…

Ich hatte in meinem Leben auch schon mit vorbelasteten „Arschlochpferden“ zu tun. An ein ausgefuchstes Pony kann ich mich ganz besonders erinnern. 
Ich durfte mich um das „liebe, gut rittige, anständig erzogene“ Pony kümmern und habe mich gefreut wie Bolle. Gleich am Anfang sprang das freche, schnappende, sture Ding über die Boxentür. Bei unserem ersten Ausritt blickte ich plötzlich in die andere Richtung. Weder ich, noch meine Begleiter haben bis heute herausgefunden, wie ich der Schwerkraft getrotzt habe und spätestens als ich die Liste an Krankenhausaufenthalten ausfindig gemacht hatte, die auf das Konto dieses „Arschs“ ging, war mir klar, dass ich niemals mehr der Beschreibung eines „lieben, braven, gut erzogenen“ Ponys glauben werde. 
Ich habe von diesem Pony unglaublich viel gelernt. Vor allem was Konsequenz ist und wie viel es wert ist, ein Pferd an meiner Seite zu haben, das gerne an meiner Seite ist.
Dieses Pferd war kein Arschlochpferd, aber es hielt Menschen per se für Arschlöcher. Wahrscheinlich, weil sie ihm einen Grund für diese Haltung gegeben hatten.

Mich stört an manchen Beschreibungen dieser echten, dominanten, bösen Arschlochpferden die fehlende Reflexion, das fehlende Verständnis für das Tier. Wenn man schon als Zuhörer nichts Gutes ahnt, wie soll man dann als Beteiligter, egal ob Mensch oder Pferd, positiv miteinander umgehen.

Anstatt den doofen Gaul zu verfluchen sollten wir uns fragen, was wir für ein besseres Klima tun können. Das fällt nämlich in unseren Aufgabenbereich und nicht in den des Pferdes. 
Wir schaffen uns die "Arschlochpferde" und hinter jedem dieser Pferde steht ein "Arschlochmensch".

Was allein unsere Einstellung bewirken kann, berichtet Linina01.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
    Ich habe schon manches mal gedacht, wenn ich Leute über Ihre Pferde reden hörte, "Warum kaufst Du Dir nicht lieber ein Fahrrad?"
    Natürlich habe ich mich auch schon über meine Pferde geärgert, obwohl ich das Problem war.
    Aber ich habe sie nie mit herabsetzenden "Spitznamen" betietelt.

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